15-Cent-Prinzipien – oder warum ich heute gelernt habe, dass Liebe manchmal an der DM-Kasse verhandelt wird

in #deutsch2 months ago

Heute Morgen begann eigentlich alles ganz harmlos. Ich hatte einen Termin im Rathaus, meine Freundin wollte in den DM. Da wir sowieso in die Stadt mussten, fuhren wir gemeinsam. Praktisch, dachte ich. Naiv, dachte ich später.

Auf dem Weg zum Rathaus laufen wir am DM vorbei. Ich wundere mich schon, sage aber nichts. Kurz vor dem Rathaus frage ich: „Willst du jetzt mitkommen? Dachte, du wolltest in den DM?“

Sie schaut mich an, als hätte ich ihr gerade eine mathematische Gleichung gestellt. „Ahh… ich komm mit. Dann gehen wir nachher zusammen in den DM.“

Ich schaue sie streng an. Manchmal muss ein Mann klare Linien setzen – zumindest bilde ich mir das ein: „Ne. Ich geh nicht mit dir in den DM. Wenn du dahin willst, geh jetzt.“

Sie halb schockiert, halb amüsiert: „Okay…“ Dreht sich um und geht.

Die 15-Cent-Offenbarung

Nach meinem Termin, auf dem Rückweg zum Auto, treffe ich sie – vollbepackt, selbstverständlich. Und natürlich nehme ich ihr die Tüte ab, während sie den Kassenbon studiert.

Dann zeigt sie drauf wie auf den entscheidenden Hinweis in einer Krimiserie: „Schau mal hier. Ganz am Ende: 0,15 €… für eine Plastiktüte. Ich habe aber keine gekauft! Das hier ist meine Netto-Tasche!“

Ich zucke mit den Schultern: „Ja, ist wohl ein Fehler. Was willste machen? Jetzt für 15 Cent Stress?“

Sie schaut mich streng an – ihr Blick sagte ungefähr: „Ach so läuft das bei dir?“ Dann laut: „Ja, ganz genau!“

Und ich wusste: Wir gehen zurück.

DM – Das Duell

Ich stelle mich in die Schlange, erkläre ruhig: „Meine Freundin spricht kein Deutsch. Sie hat keine Plastiktüte gekauft, trotzdem wurde eine berechnet.“

Die Verkäuferin – sichtlich gelangweilt – sagt: „Ja, wohl ein Fehler. Kann ja mal passieren.“

Meine Freundin, selbst ehemalige Verkäuferin, weiß: Eine Plastiktüte erscheint nicht zufällig auf dem Bon. Man muss sie scannen oder per Knopf auswählen. Das „kann ja mal passieren“ war für sie in etwa so befriedigend wie ein Auto ohne Räder.

Sie wird sauer: „How can something like this happen?“

Die Verkäuferin rollt innerlich die Augen: „Die soll mal nicht so ’ne Szene machen. Ich versteh Englisch.“ Antwortet aber nicht. Erklärt nichts. Ignoriert sie einfach.

Das Ende meiner Diplomatie

Ich wollte deeskalieren. Wirklich. Aber irgendwann platzte mir die Hutschnur:

„Moment mal. Ihr habt einen Fehler gemacht. Punkt. Und Sie haben sich nicht mal entschuldigt – nur gerechtfertigt. Hier geht’s nicht um 15 Cent, sondern ums Prinzip.“

Ab da schauten plötzlich alle im Laden. Kleine soziale Revolution am DM-Kassenband.

Meine Freundin war happy. Richtig happy. Sie sagte später: „Die hat mich nicht ernst genommen. Da werde ich lauter, damit alle anderen es hören. Die konnten bei denen nix extra abrechnen – und ab heute checken die alle ihren Kassenbon.“

Und weißt du was? Sie hatte recht.

Was ich gelernt habe

Ich wäre für 15 Cent nie zurückgegangen. Ich hätte das einfach geschluckt und den Tag weitergelebt. Aber manchmal tut man(n) Dinge nicht wegen des Betrags, sondern wegen der Person, die neben einem steht.

Und ja – ich hoffe, dass ich nicht allzu oft in Kämpfe hineingezogen werde, die ich selbst nie begonnen hätte. Aber für sie mache ich eine Ausnahme – notfalls auch wegen 15 Cent.

Sort:  

Es geht tatsächlich ums Prinzip.

Es ist inzwischen Methode wie mir scheint falsch abzurechnen, falsch auszuzeichnen und zuviel, aber nie zu wenig zu kassieren.

Gefühlt ist jeder vierte bis fünfte Bon fehlerhaft. In jüngster Zeit eher jeder dritte.

Reklamation ist Pflicht und sei es nur wegen 15 Cent.

Diese in Steem investiert könnten eines Tages ein zigfaches an Wert haben.

Ja am Ende auf dem Weg zurück schaut mich meine Freundin zufrieden an und sagte: "Alleine wäre ich auch nicht zurückgegangen" ^^

Aber wir waren glücklich das richtige getan zu haben und vllt weitere davor bewahrt zu haben. Solche momente sollte man maximal unangenehm machen, dass die Kassierer von alleine mehr Sorgfalt an den Tag legen.

Klassisches "forced behavior" würde ich sagen. Oder zu deutsch "Konditionierung" ;P

Aber ich gebe ja jedem Menschen eine Chance und die Reaktion sagt mir halt mehr als tausend Worte. Die Kassiererin hat nicht gesagt "Ohh Entschuldigung, ich muss wohl versehntlich den button gedrückt haben."

Alle wären zufrieden gewesen... aber ein "Ja kann ja mal passieren" ist keine Entschuldigung sondern eine Rechtfertigung. Jemand der sein handeln rechtfertigt, erklärt warum er so gehandelt hat und es wieder so tun würde...