Vom Feuer entfremdet – Wie der Abriss eines AKW Sinnbild für Selbstzerstörung und geistigen Verfall Deutschlands wurde

in #deutsch4 months ago

Ein Essay über ein Land, das seine größten technischen Errungenschaften demontiert und den eigenen Verstand gleich mit abreißt.

Ein Bild, das alles sagt

Ein riesiger Schornstein stürzt ein, Staubwolken steigen auf, die Menge klatscht. Der Abriss eines Atomkraftwerks – offiziell als „Zeichen des Fortschritts“ gefeiert. Für mich war es das Gegenteil: ein Moment, in dem ein Land sichtbar machte, dass es den Glauben an sich selbst verloren hat.

Der Mensch, der einst das Feuer zähmte, reißt heute seine Feuerstelle ein – aus Angst, sie könne brennen. Und nennt das Fortschritt.

Ideologie ersetzt Ingenieurskunst

Man wirft Kritikern der Energiewende gern vor, sie seien „wissenschaftsfeindlich“. In Wahrheit verteidigen sie die Wissenschaft – gegen eine Politik, die sie moralisch überformt. Die deutsche Umweltpolitik hat das Verhältnis von Technik und Ethik auf den Kopf gestellt: Wo früher Erkenntnis die Grundlage des Handelns war, gilt heute Gesinnung als Beweis von Vernunft.

Die Atomenergie war nie das Ende der Vernunft, sondern ihr Höhepunkt. Die präzise Kontrolle des Feuers, die Beherrschung der Spaltung – sie ist Ausdruck von Verständnis, nicht von Hybris. Nur wer sich von der Realität entfremdet hat, kann glauben, dass die Zerstörung dieser Fähigkeit Fortschritt bedeutet.

Die Wissenschaft ist längst weiter

Während Politiker mit moralischer Rhetorik hantieren, arbeitet die Wissenschaft längst an Lösungen. Moderne Reaktorsysteme der vierten Generation können langlebige radioaktive Isotope – etwa Plutonium oder Neptunium – in kurzlebige Spaltprodukte umwandeln. Dieser Prozess heißt Transmutation.

Statt Abfall, der über Jahrtausende strahlt, bleibt Material, das nach wenigen Jahrhunderten auf ein sicheres Niveau abgeklungen ist. Frankreich, Russland, Japan und China investieren längst in diese Technologie. Nur Deutschland demontiert das, was es einmal verstand.

Unsere Ingenieure könnten das längst – sie dürfen es nur nicht mehr. Die Angst regiert, wo Wissen herrschen müsste.

Der Abriss als kulturelle Beichte

Der Abriss eines AKW ist keine technische, sondern eine kulturelle Handlung. Er gleicht einem Ritual – einem Bußakt, der die Bevölkerung beruhigt: Wir haben das Böse besiegt. Nur dass das „Böse“ hier das Wissen selbst war. Die Reaktoren verschwinden, doch der Aberglaube bleibt.

Deutschland, das Land der Denker und Ingenieure, hat sich selbst auf Therapie gesetzt – mit dem Ziel, nie wieder zu viel zu verstehen. Die neue Tugend heißt Nichtwissen, verpackt als Verantwortungsbewusstsein.

„Entfremdung vom Feuer“ – wörtlich genommen

Der Satz von der „Entfremdung des Menschen vom Feuer“ war ursprünglich eine kulturphilosophische Warnung vor zu viel technischer Distanz. Doch in Deutschland hat man ihn missverstanden – und die Entfremdung selbst zum Programm gemacht.

Wir fürchten die Elemente, die wir einst beherrschten. Wir misstrauen den Kräften, die uns stark machten. Und wir verwechseln Schwäche mit Moral. Das ist nicht Aufklärung, das ist Regression.

„Wissenschaft priorisiert Fakten über Dogmen – sie enthüllt Wege, die Ideologie nicht sehen will.“

Diese nüchterne Wahrheit wird verdrängt, solange man lieber feiert, dass der Rauch aufsteigt, statt zu fragen, was danach bleibt.

Realität statt Ritual

Niemand verlangt naive Technikgläubigkeit. Aber Vernunft bedeutet, zwischen Risiko und Potenzial zu unterscheiden. Die physikalische Realität lässt sich nicht abwählen, sie bleibt bestehen – mit oder ohne moralisches Etikett. Und genau hier liegt der Irrsinn: Wir reden von Nachhaltigkeit, während wir die einzige Energieform abschaffen, die langfristig wirklich tragfähig wäre.

Das ist keine Politik mehr, sondern ein kollektiver Selbstbetrug. Der Glaube ersetzt die Methode, die Pose ersetzt den Plan.

Fazit: Feuer oder Furcht

Der Abriss eines Atomkraftwerks ist kein Triumph. Er ist ein Bekenntnis: Wir wollen klein sein, rein, ungefährlich – und darum unbedeutend. Es ist die sichtbare Selbstverkleinerung einer Nation, die einst das Denken erfand und nun die Angst kultiviert.

Wir haben uns vom Feuer entfremdet – nicht, weil es zu wild wäre, sondern weil wir aufgehört haben, es zu verstehen.

Vielleicht sollten wir aufhören, Reaktoren zu sprengen – und wieder anfangen, zu denken.

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Hi,
ich komme aus der Nähe und habe die Türme bei schönem Wetter immer gesehen. Ich hatte oft ein komisches Gefühl und Gedanken: " Was passiert wenn sie explodieren? Ich habe oft an Tschernobyl gedacht und gehofft dass bei uns sowas nicht passiert. Die beiden gesprengten Kühltürme sind schon länger im Rückbau. Neues entsteht.
Recherche:
Der Rückbau des Kraftwerks ist Teil des umfassenden Atomausstiegs, der in Deutschland beschlossen wurde. Dieser Schritt wurde durch politische Entscheidungen und gesellschaftliche Bewegungen vorangetrieben, die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Entsorgung von Atommüll äußerten. In Gundremmingen waren die Reaktoren Block B und Block C betroffen. Block B wurde Ende 2017 und Block C Ende 2021 endgültig abgeschaltet. Die atomrechtlichen Genehmigungen für den Abbau wurden im März 2019 für Block B und im Mai 2021 für Block C erteilt. Beide Blöcke befinden sich nun im Rückbau, der von unabhängigen Sachverständigen gemeinsam mit den Behörden begleitet und beaufsichtigt wird .

Am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen plant der Betreiber RWE eine zukünftige Nutzung. Bereits wenige Tage nach der Sprengung der Kühltürme soll der Bau eines Batteriespeichers mit einer Kapazität von 700 Megawattstunden beginnen. Dieser Batteriespeicher soll zur Speicherung von Solarenergie dienen und ist derzeit der größte seiner Art in Deutschland. Zusätzlich sind die Errichtung einer Photovoltaikanlage und eines neuen Gaskraftwerks geplant. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Energieversorgung in der Region auch nach dem Rückbau des Kernkraftwerks sicherzustellen..Mal schauen wie lange der Rückbau dauert und wie später alles aussieht.

Der Kommentar zeigt ganz gut, wie stark Emotionen das Thema Atomkraft prägen.
Viele denken bei Kernenergie sofort an Tschernobyl – dabei war das ein Sonderfall aus menschlichem Versagen und veralteter Technik. Moderne Reaktoren sind in ihrer Sicherheitsarchitektur kaum damit vergleichbar.

Der geplante Batteriespeicher klingt beeindruckend, ist aber technisch und ökonomisch kein Ersatz: enorme Kosten, geringe Effizienz, kurze Lebensdauer.

Und der oft beschworene „Atommüll“, der 200–300 Jahre strahlt, ist tatsächlich handhabbar. Dafür bekommen wir CO₂-neutrale, stabile Energieversorgung – etwas, das mit Sonne und Wind allein schlicht nicht geht.

Ich frage mich manchmal, warum wir lieber Unsicherheit und teure Übergangstechnologien fördern, statt auf bewährte, sichere Systeme zu setzen.

Tschernobyl war menschlich tragisch – wissenschaftlich aber ein Glücksfall:
Unter dem ersten Cocon entdeckte man einen Pilz, der Strahlung „frisst“.

Zeigt: Selbst aus Katastrophen wächst Erkenntnis.