📚 Mosaik mit den Abrafaxen?

in Pictures Diary7 days ago

Das war doch nur SED-Propaganda im Comic-Format für brave FDJ-Kinder!

Klar... so hört man das heute gern. Die armen Ossi-Kinder mussten sich mit diesem sozialistischen Heftchen begnügen, während im Westen die echten Mickey-Mouse-Hefte im Kiosk lagen. Aber wer das sagt, hat keine Ahnung, was da wirklich zwischen den Seiten steckte.

Das Mosaik war DAS Comic-Heft in der DDR. Keine bunten Werbeseiten, keine Plastikspielzeug-Beilagen – dafür Geschichten mit Abrax, Brabax und Califax, die uns durch die Weltgeschichte führten. Die drei Abrafaxe reisten durch alle Epochen: ins alte Rom, zu den Wikingern, nach China, ins Mittelalter. Abenteuer, Humor und nebenbei lernten wir Geschichte, ohne dass es sich nach Schulbuch anfühlte. Das Heft erschien monatlich im Verlag Junge Welt, und wer sein Mosaik hatte, war König auf dem Schulhof. Getauscht wurde bis zur letzten Seite.

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Die Auflage? Zeitweise über eine Million Exemplare pro Monat. Jedes Kind kannte die drei Kobolde mit ihren roten Zipfelmützen. Die Zeichnungen waren detailreich, die Geschichten spannend und manchmal sogar mit einem Hauch von Gesellschaftskritik – so subtil, dass die Zensur es durchgehen ließ, aber wir Leser haben es gespürt. Das Mosaik war kein billiger Ramsch, sondern echte Handwerkskunst aus der Feder talentierter Zeichner wie Lona Rietschel und Lothar Dräger. Die Hefte wurden gesammelt, gehütet wie Schätze und in der Familie weitergegeben.

Und heute? Comics gibt es an jeder Ecke, digital sowieso. Aber die meisten sind austauschbar, vollgestopft mit Werbung oder Teil irgendeines Franchise-Universums, das nur eins will: dein Geld. Superhelden in Strumpfhosen retten die Welt zum hundertsten Mal, und nächsten Monat kommt der nächste Film, das nächste Merchandise, die nächste limitierte Sonderausgabe. Algorithmen entscheiden, was Kinder zu sehen bekommen – Hauptsache, es bindet Aufmerksamkeit und verkauft sich gut.

Das Mosaik mit den Abrafaxen? Das gibt es übrigens immer noch, seit 1976 ohne Unterbrechung. Aber die Magie von damals, als ein neues Heft wirklich etwas Besonderes war, als wir uns auf dem Schulhof die Hefte zeigten und darüber diskutierten – die ist weg. Heute scrollt man durch endlose digitale Inhalte, konsumiert nebenbei und vergisst sofort wieder. Niemand sammelt mehr, niemand wartet sehnsüchtig auf die nächste Ausgabe. Alles ist verfügbar, jederzeit, überall – und genau deshalb ist nichts mehr besonders.

Vielleicht war es nicht perfekt damals. Aber wir hatten etwas, das Wert hatte. Etwas, das blieb.

Die Bilder haben Symbolcharakter – nicht mehr und nicht weniger. DDR-Fahne und Wappen sind hier ein Augenzwinkern, oftmals versteckt, und kein politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groß geworden sind. Findest du das DDR Wappen auch im Bild?

Du willst mehr solcher Rückblicke, die wehtun, aber auch guttun?

Dann bleib hier. DDR 2.0 – wie es war, wie es hätte sein können und warum wir heute noch darüber lachen.

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Great post! Featured in the hot section by @punicwax.