You are viewing a single comment's thread from:

RE: DU spielt SCRABBLE™ (58) - Gleichberechtigung

in Deutsch Unplugged3 years ago

Eltern ohne pädagogische Ausbildung

Genau das ist das entscheidende. Prinzipiell gehen ich erst einmal davon aus, dass Menschen, die ihren Beruf gelernt haben, ihn besser machen als ich Laie... ja, Ausnahmen bestätigen die Regel ;-)

Sort:  
 3 years ago 

Hm ... ja, prinzipiell schon ... aaaaber ...:

  • ... du Laie hast bei deinem Nachwuchs möglicherweise eine besonders hohe Motivation, ihm etwas beizubringen.
    Kannst dir genau dann Zeit nehmen, wenn deine Kinder etwas nicht so gut verstehen, aber Dinge überspringen, die sie schon wissen. Du kannst also besser als ein Lehrer ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigen.

  • ... du musst dich nicht um 40 lärmende Kinder gleichzeitig kümmern.

  • ... du wirst nicht von allen Seiten (Bildungsministerium, Eltern, Schüler) unter Druck gesetzt und mit Bürokratie überhäuft.

Ich gebe nicht den Lehrern die Schuld am schlechten Schulsystem. Sie sind m. E. nur ein oft hoffnungslos überfordertes kleines Rädchen im vor lauter Sand knirschenden Getriebe. :)

 3 years ago 

Absolut!

Wobei ich den Punkt "besonders hohe Motivation" der Eltern-Kind-Beziehung zuordnen würde, die ich für das Unterrichten eher nachteilig sehe.
Auf jeden Fall sehe ich eine hohe Motivation bei den Eltern. Kann diese Motivation nicht aber auch in Streß umschlagen. Also in dem Sinne, dass bei Verständnisschwierigkeiten entweder der Elter oder das Kind irgendwann genervt reagieren. Gerade im Pubertätsalter stelle ich mir das extrem schwierig vor.

 3 years ago (edited)

Also ... Ich denke, dass grundsätzlich eine hohe Motivation für das Lösen von Aufgaben (welchen auch immer) etwas Positives ist.
Wer nicht motiviert ist, seinen Kindern etwas beizubringen ... wird ihnen vermutlich wenig beibringen.
Wer motiviert ist, mag natürlich auf Schwierigkeiten stoßen und muss lernen, damit umzugehen, kann aber m. E. eher etwas erreichen als sein unmotivierter Gegenpart.

Wenn mich meine Tochter etwas fragt, habe ich oft einfach Lust, es so gut wie möglich zu erklären, mir Beispiele oder Aufgaben auszudenken.
Es macht manchmal richtig Spaß, mir zu überlegen, wie ich Dinge veranschaulichen kann:
"Warum sind Blätter grün?"
"Was passiert mit einem Fußball, den du gegen eine Wand schießt?"
"Er kommt zu mir zurück, weil er abprallt?"
"Ja, genau, und jetzt stell dir vor, Sonnenlicht würde aus vielen sehr kleinen, verschiedenfarbigen Fußbällen bestehen, roten, blauen, gelben und grünen. In den Blättern wären kleine Öffnungen (Tore) für Fußbälle jeder Farbe, nur die grünen Fußbälle würden nirgends reinpassen, sondern vom Blatt abprallen, wie von einer Wand ... zurück in unsere Augen." (Nebenbei kann man dann noch die Begriffe "absorbieren" und "reflektieren" einführen und sagen, dass es natürlich in Wirklichkeit keine Fußbälle seien, sondern verschiedene Wellenlängen, was man aber ein andermal genauer erklären würde.)
Ist das eine gute Veranschaulichung? Ich weiß es nicht ..., aber es macht uns beiden anscheinend Spaß, und sie lernt etwas dabei.

Würden mich 30 oder 40 Kinder fragen, hätte ich niemals die nötige Energie dafür, auf alle in gleichem Maße einzugehen (und deshalb habe ich auch großen Respekt vor Lehrern, die das zumindest versuchen).

Die Pubertät wird vermutlich eine schwierige Zeit werden, mal sehen, wie das dann laufen wird (und wo wir dann leben werden) - ich bin kein Hellseher.

 3 years ago 

Man merkt dir den Spaß daran total an :-)
Mir geht das genauso. Je nach Situation ist es bei solchen Fragen dann eine lange oder kurze Antwort oder gemeinsame Erarbeitung der Lösung. Ich bin selbst auch so eingestellt, dass ich wissen möchte, warum etwas funktioniert, und nicht damit zufrieden, dass es das tut. Das und die Freude daran, dies herauszufinden und - wie wir weiter oben schon besprochen hatten - neugierig zu sein, versuche ich bzw. wir den Kindern zu vermitteln. Je früher je besser... dann hält das (zumindest bei uns) auch bis in die Pubertät... und möglichst auch darüber hinaus :-)

 3 years ago 

Ausnahmen bestätigen die Regel

Wie überall. Der kleine Unterschied: Im Bereich Pädagogik meinen die meisten mitreden, es gar besser zu können, eben weil jeder damit (mindestens als Schüler) Erfahrung gemacht hat. Und jeder, wirklich jeder (die Lehrer selbst natürlich auch), hat mindestens ein (konkretes) Beispiel, was bei ihm oder seinen Kindern mal ganz schlimm falsch gemacht wurde. Und diese bleiben im Hinterkopf. Dass der weit größere Anteil der "pädagogischen Maßnahmen" wirklich das (Er)lernen von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit oder soziale Kompetenz etc. unterstützt (jedenfalls sofern die Rahmenbedingungen einigermaßen stimmen...), wird gern vergessen. Könnte mir vorstellen, dass das bereits im Kindergarten losgeht und auch bei euch zu Hause mal Thema ist... ;-)

 3 years ago 

Der kleine Unterschied: Im Bereich Pädagogik meinen die meisten mitreden, es gar besser zu können ...

Siehe auch meine Antwort an @moecki.
Obwohl ich die Schulpflicht ablehne, halte ich pauschale Lehrerkritik oft für unfair und unangebracht.
Das sind zwei verschiedene Dinge.

 3 years ago 

Ausschlaggebend für einen guten Pädagogen ist aus meiner Sicht nicht, dass Wissen vermittelt wird, sondern wie. Ich gehe einfach davon aus, dass im Studium entsprechende Methoden vermittelt werden, um die Wissensvermittlung an die Schüler erfolgreich und interessant - eben Schülergerecht - zu gestalten.
Wenn ich bestimmte Sachverhalte vermitteln kann, interessiere ich mich selbst dafür und traue mir eine entsprechende Erklärung auch zu. Aber alle Themen abzudecken, die die eigenen Kinder interessieren, ist mir und wahrscheinlich vielen Eltern nicht möglich. Anderseits würden dann Themen, die niemand mag, aber doch als Grundlagen sein müssen, auf der Strecke bleiben.

Soziale Kompetenzen ist für mich ein wichtiger Teil. Klar, wenn man die Jugendlichen fragt, dann auch der Kontakt ohne physische Präsenz ausreichend. Aber ist eine solche Blase wirklich zielführend? Gehört, bei allem, was man den Kindern gern ersparen würde, nicht auch der total blöde Mitschüler zur eigenen Entwicklung?

 3 years ago (edited)

Soziale Kompetenzen ist für mich ein wichtiger Teil.

OK, die hatte ich ohnehin nie und lebe trotzdem irgendwie noch immer (irgendwann dann sogar mit eigener Familie - ich kann's selbst noch kaum glauben, haha). Vielleicht mache ich mir ja deshalb deswegen nicht genug Gedanken? :-)

Gehört, bei allem, was man den Kindern gern ersparen würde, nicht auch der total blöde Mitschüler zur eigenen Entwicklung?

Ist die Welt nicht 'blöd' genug, so dass man sich keine Sorgen machen muss, dem Kind würde möglicherweise im Laufe seines Lebens vielleicht nicht genug 'Blödes' zum Üben begegnen?
Ich will ja niemanden in Watte packen, auch auf dem Spielplatz in der Nähe, im Sportverein oder an der Bushaltestelle können einem ziemlich blöde Gestalten über den Weg laufen. Und wenn man dann später erst beginnt, sich mit Politik zu beschäftigen, zu sehen, wie Politiker Menschen in den Krieg schicken, um sich gegenseitig zu töten, dann ist ein klein wenig 'heile Welt' zu Beginn des Lebens vielleicht gar nicht mal sooo schlimm. ;-)

 3 years ago 

sondern wie

Klar. Didaktik und Lernpsychologie mit diversen Modellen, die methodisch variiert werden und dem Entwicklungsalter des Individuums angepasst werden müssen. Anlesen können sich das "Wissen" die meisten - und gute Lehrer tun das auch wenigstens zur Auffrischung, sobald eine neue Unterrichtseinheit geplant wird.

Soziale Kompetenzen ist für mich ein wichtiger Teil

Wenn nicht der wichtigste. Frustrationstoleranz, Konfliktbewältigung, Argumentieren, Teamplay... ... ...

Gehört, bei allem, was man den Kindern gern ersparen würde, nicht auch der total blöde Mitschüler zur eigenen Entwicklung?

Aber 100pro gehört der blöde Mitschüler dazu. Auf solche triffst du nämlich dein Leben lang. Wenn du aber in deiner Kindheit nicht erlebt hast (oft unter großem Schmerz und vielen Tränen), wie du damit umgehen kannst, es diverse andere Menschen wie Gleichaltrige, ggf. "Streitschlichter" in Form älterer Schüler, natürlich Lehrer und vor allem Freunde gibt, die dir helfen können, solch schreckliche Situationen aufzulösen oder zu Reflektion anregen, inwieweit man vllt. selbst zum "Drama" beigetragen hat, wird's im Erwachsenenalter mit dem "blöden Kollegen" bestimmt schwieriger.

Ach, egal... ;-)

 3 years ago (edited)

Eltern ohne pädagogische Ausbildung

Die Thematik lässt mich nicht los, habe mich auch noch sehr auf Jaki und seine Argumentation eingelassen. Eines muss ich aber noch dringend loswerden:
Ich bin (Sonder)Pädagogin. Ich habe keine eigenen Kinder, aber schon viele, viele unterrichtet (auch Gymnasiasten bis Klasse 10). Dies auch nicht schlecht (was nicht nur meiner eigenen Einschätzung entspricht). Und trotzdem, trotz gelerntem und gut ausgeübten Berufs: Ich würde mir nicht zutrauen, mein Kind ohne Schule bzw. den Blick mit emotionalem Abstand durch andere Professionen alleine zu unterrichten.

 3 years ago 

emotionalem Abstand

Genau das meinte ich unter Jakis Kommentar mit Eltern-Kind-Beziehung. Das ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Ohne emotionalen Abstand hilft man entweder zu viel oder zu wenig, oder?

Ich würde mir das auf keine Fall zutrauen. Selbst bei Themen, die ich selbst gut verstehe, wüsste ich nicht, wie und wo ich anfangen sollte, dies meinen Kiddies beizubringen. Klar, wenn sie eine bestimmte Frage haben, ist das kein Problem. Aber so von Grund auf... und vor allem strukturiert...

 3 years ago 

Ich würde mir das auf keine Fall zutrauen.

Jetzt stell mal dein Licht nicht so unter den Scheffel!

Seit Jahrmillionen vermitteln Tiereltern ihrem Nachwuchs das nötige Rüstzeug, um im großen Spiel der Evolution reüssieren zu können, und dann kommt der Mensch und traut sich diese völlig natürliche Elternaufgabe plötzlich nicht mehr zu ...? :)

Na gut, wurde mit einem Augenzwinkern geschrieben, ist alles nicht so leicht, aber andererseits auch kein Hexenwerk ... und es gibt Stoffpläne ... :)

 3 years ago 

Seit Jahrmillionen vermitteln Tiereltern ihrem Nachwuchs das nötige Rüstzeug

Bei den meisten Gattungen nicht nur die Eltern. Das ganze Rudel, die Herde, die Delfin-Schule... vor allem aber lernen die Kleinen im Spiel mit Gleichaltrigen zu kämpfen, ihre Position zu finden, sich gegenseitig zu unterstützen... ;-)

 3 years ago 

Ja ... wobei ... ach, lass mich einfach ehrlich sein: Mir müssen die sicherlich zahlreichen Berichte über von grimmig dreinblickenden Delphinpolizisten und -polizistinnen abgholten und zwangsweise der Meeressäugerschule zugeführten Delphinkinder mangels Fernsehkonsum wohl schlicht durch die Lappen gegangen sein. :-)

Aber - das meine ich ehrlich - schön, dass du ein so sozial denkender Mensch bist. Vielleicht kann ich mir ja doch den ein oder anderen Krümmel davon abschneiden. :)

 3 years ago 

Ohne emotionalen Abstand hilft man entweder zu viel oder zu wenig, oder?

Denke schon. Zudem schätzt man "nur mit Elternaugen" sein Kind oft völlig falsch ein. Vom "Wunderkind" bis zum "Totalversager" ist alles dabei. Damit entwickelt sich meist ein unrealistisches Selbstwertgefühl.