You are viewing a single comment's thread from:

RE: Emanzipation?! / Emancipation?!

in Deutsch Unplugged3 hours ago

Was wir brauchen, ist eine klare, strukturelle Analyse, die niemanden aus der Verantwortung entlässt – ohne zugleich jeden einzelnen Mann pauschal zu verurteilen. Feminismus ist kein Krieg gegen Männer. Er ist eine Forderung nach gegenseitiger Anerkennung und Verantwortlichkeit.

Ist nicht das die zugrunde liegende Haltung von M. Garcia?

Mir scheint, M.Garcia hatte sich bezüglich des Pelicot-Prozesses Hannah Arendt und den Fall Eichmann zum Vorbild genommen. So wie H. Arendt entsetzt und erschrocken war über die Normalität Eichmanns (des Planers der Transporte von Millionen Juden in Konzentrationslager mit dem Ziel, diese Menschen dort zu vernichten), so versucht M.Garcia die Normalität der Gewalttäter in den Vordergrund zu stellen.

Aber während Hannah Arendt eine Hypothese hatte, wie es dazu kommen konnte, dass sich "Die Banalität des Bösen" entfaltet (nämlich infolge von Gehorsamsstrukturen und Karrierebemühungen innerhalb einer bürokratischen "Herrschaft des Niemand"), fehlt mir bisher bei Manon Garcia eine vergleichbare Struktur-Analyse. Der abstrakte Verweis auf ein "Patriarchat" ist noch viel zu wenig, weil viel zu abstrakt.

Dennoch hat M.Garcia möglicherweise recht damit, auf gesellschaftliche Strukturen zu verweisen (sei es in Ergänzung oder in Konkurrenz zu individualpsychologischen Erklärungsansätzen), auf die Erfordernis der soziologischen und sozialpsychologischen Analyse einer durch fortgesetzten hedonistischen Konsumismus ethisch offenbar durch und durch korrumpierten Gesellschaft.

Wir kennen die "Scheren" zwischen arm und reich und auch bezüglich gebildet versus ungebildet, welche sich trotz steigenden allgemeinen (durchschnittlichen) Wohlstands bzw. Bildungsniveaus weiter öffnen: Die Reichen werden schneller noch reicher als sich die Armen dem Wohlstand nähern, und die Gebildeten bauen (oder bauten bisher, im Zeitalter vor der KI) ihren Vorsprung vor den Ungebildeten weiter aus trotz deren insgesamt erhöhten Niveaus an formaler Bildung.

So könnte es auch eine "Schere" geben, die bei generell steigender Sensibilität und 'Weisheit' sich weiter öffnet oder vielleicht sogar gesellschaftliche Teil abkoppelt und 'zurück' gleiten lässt.

Wissen wir denn, wie es in früheren Zeiten war? Die Forderungen nach Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft lassen sich etwa zweieinhalb Jahrtausende zurück verfolgen. Sie haben also über zweitausend Jahre lang kaum etwas Erkennbares bewirkt. Es gab immer Ausnahmen, also einflussreiche, selbstbewusste, auch mächtige Frauen. Es gab eine höfische Frauenverehrung (Minne im Mittelalter). Nichts davon hat eine kontinuierliche Veränderungswirkung initiiert.

(Ich lese jetzt mal den Artikel in der Vogue zu Ende.)

Coin Marketplace

STEEM 0.06
TRX 0.32
JST 0.064
BTC 69718.75
ETH 2151.03
USDT 1.00
SBD 0.47