Emanzipation?! / Emancipation?!

in Deutsch Unplugged11 hours ago

english below...

Ein fröhliches Osterfest Euch allen!

Das Osterfeuer, wie jedes Jahr von der örtlichen Feuerwehr veranstaltet, brannte gestern abend hell und heiß, das zweite Mal in unserer Anwesenheit. Die kulturelle Attraktion hat sich für mich nicht gesteigert, die Buletten haben immerhin satt gemacht, aber lecker ist anders… Bier trinke ich nicht und die Hintergrundmusik… Nun ja – dabei sein ist alles ;-))

Tagsüber haben wir wieder einige Pflanzen in die Erde gebracht und wir nutzten allzu stürmische Momente für Lektüre, die schon länger liegen geblieben war, in meinem Fall eine umfassende Presseschau.

Ich habe einen Suchalarm zu bestimmten Themen bzw. Fachgebieten; entsprechende aktuelle Veröffentlichungen werden mir dann in einem persönlichen Feed angezeigt. Praktisch! Einige dieser Filter sind Gesellschaft, Philosophie, Soziologie, Innenpolitik,…

Es war mit Sicherheit das allererste Mal, daß ein Artikel aus der VOGUE in der Leseliste auftauchte, anerkanntes Fachblatt für rein gar nichts davon.

Immerhin: ein Bericht über und Interview mit Manon Garcia. Philosophin Prof. Dr. Manon Garcia. Von einer Autorin namens Desireè Oostland. Es geht um…

Wie können wir nur mit Männern leben? Können wir überhaupt mit Männern leben? Sollten wir das? Wollen wir wirklich?…

Ich halte mich für durchaus interessiert an der Frauenrechtsbewegung; schließlich hat meine Generation in erheblichem Maße von ihr profitiert. Genauso bin ich überzeugt, daß man sich nicht auf einem Status Quo ausruhen sollte, sondern das Verhältnis der Menschen untereinander ständig neu aushandeln muß, so auch das der Geschlechter. Persönlich empfinde ich die Gleichberechtigung der Frau hierzulande als theoretisch gegeben, aber manchmal praktisch schwer umsetzbar, außerdem noch nicht wirklich in allen Köpfen angekommen.

Ebenso erlebe ich allerdings zeitgenössische Feministinnen als fehlgeleitet, weil sie nach meinem Eindruck keine Gleichberechtigung fordern, sondern eine Vorzugsbehandlung für Frauen. Das wäre eine unschöne Umkehrung der früheren Verhältnisse, wo Männer eindeutig dominierten.

Und nun finde ich diesen Artikel… Ich verlinke ihn im Anschluß, Ihr könnt Euch gerne ein eigenes Bild machen. Ich bin jetzt jedenfalls verstört. Eine Professorin, eine Wissenschaftlerin, die jungen Menschen Orientierung bietet, die Richtung und Haltung vermittelt, die Studentinnen formt und beeinflußt, die in ihren Büchern Positionen verbreitet, sagt und schreibt Dinge wie:

Die Frage ist nicht, ob wir Frauen Männer genug lieben, um das auszuhalten, was sie uns antun. Die Frage ist, ob Männer uns ein wenig lieben können – nur ein wenig –, genug, um uns als Menschen zu sehen, als Subjekte, als Personen.

Die Unfähigkeit der Männer, Frauen als wirkliche Menschen und gleichwertige Lebenspartnerinnen zu erkennen – und stattdessen der Impuls, die Frauen in ihrer Umgebung zu zerstören – macht unser Leben sehr schwierig.

Aber wir alle – Männer wie Frauen – sind in unterschiedlichem Maß Teil eines sozialen Systems, das Vergewaltigungen möglich macht. Wir alle übernehmen Werte, beteiligen uns an Ritualen und werten Verhaltensweisen auf, die dazu beitragen, dass “normale” Männer eine ihnen unbekannte und offensichtlich bewusstlose Frau vergewaltigen.

Soziale Normen sind wie Wege: Für Frauen ist der vorgezeichnete Pfad der der Abhängigkeit, für Männer der der Unabhängigkeit.

Von Anfang an wirkt alles darauf hin, dass Mädchen "ihren Platz" einnehmen: dass sie Liebende und Mütter werden, statt sich als vollständige Subjekte zu entfalten. (Selbst ich, als Expertin auf diesem Gebiet, ertappe mich dabei, stolz zu sein, wenn ich ein gutes Essen für meine Familie gekocht habe oder ein schmeichelhaftes Kompliment bekomme.)

Einer Frau zu sagen: "Sei nicht mehr unterwürfig", ist ein bisschen so, als würde man ihr sagen: "Hör auf, du selbst zu sein."

Wenn wir den Begriff des Patriarchats aufgeben, bleibt uns nur noch, männliche Gewalt durch individuelle Psychologie zu erklären: Monster, Perverse, Einzelfälle. Das ist bequem – aber falsch.

Quelle: https://www.vogue.de/artikel/manon-garcia-ueber-maennliche-gewalt-beziehungen-interview?utm_source=firefox-newtab-de-de

Ich könnte weiter machen, will ich aber nicht. Das letzte Buch der Professorin, das mit dem Artikel beworben werden soll, handelt unter anderem, aber nicht nur von den strafrechtlichen Ermittlungen und Prozessen um Epstein in Amerika und Mazan in Frankreich. Fatal die Übertragung von deren Denk- und Handlungsstruktur auf alle Männer. Verheerend die Aufforderung an (junge) Frauen, ihr Verhältnis zu Männern zu überdenken und in Frage zu stellen. Unangemessen, das unter Ausnutzung ihrer professionellen Reputation und Position zu tun.

Als ich sagte, der Artikel habe mich verstört, war das gelogen. Er hat mich empört. Die Generation meiner Kinder ist die Zielgruppe solcher Vorträge und Publikationen. Ein wertschätzendes und offenes Bild von seinem Gegenüber bekommt man als Frau auf diese Art jedoch nicht vermittelt, sondern vor allem eins: Verachtung.

Beim Lesen fiel mir auf, daß ich bereits des öfteren über ähnliche Tendenzen gestolpert bin, sie aber nicht allzu ernst nahm. Es gibt immer exzentrische Ansichten… Damit lag ich eventuell falsch. Sollte sich hier ein Trend und eine neue gesellschaftliche Ausrichtung entwickeln, bin ich endgültig 'raus aus dem ganzen sozialen Kram: ich dachte, wir Meschen werden irgendwann vernünftig?!

PS: @panafricana-sam kam in der vergangenen Woche in Melbourne an! Glücklich und zu recht stolz auf seine Leistung fand er kein passendes Fotomotiv für sein Tourfinale und beschloß kurzerhand, bis nach Sydney weiter zu fahren, die Sydney Opera wäre das einzig Wahre für diesen Zweck ;-)) Gut 1000 Kilometer weiter war auch das vollbracht: ich bin (auf distanzierte Art ;-)) neidisch auf das Durchhaltevermögen von Sam, auf seine Erlebnisse und die sportliche Leistung. Viel mehr mache ich mir allerdings Sorgen um das tiefe Loch, das jetzt fast zwangsläufig wieder folgt…

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BERLIN - SYDNEY - @panafricana-sam nach 25.710 Kilometern auf dem Fahrrad / BERLIN - SYDNEY - @panafricana-sam after 25.710 kilometres by bicycle...

english version:

A very happy Easter to you all!

The Easter bonfire, organised as always by the local fire brigade, burned brightly and fiercely yesterday evening – the second time we’ve been there. The cultural appeal hasn’t really grown on me, though the meatballs did at least fill us up, even if they weren’t exactly delicious… I don’t drink beer, and the background music… Well, you know – it’s all about being part of it ;-))

During the day, we planted a few more plants in the ground and used the particularly stormy moments to catch up on reading that had been piling up for a while – in my case, a comprehensive press review.

I have search alerts set up for specific topics and specialist areas; relevant current publications are then displayed in a personal feed. Practical! Some of these filters are society, philosophy, sociology, domestic politics,…

It was certainly the very first time an article from VOGUE appeared in my reading list – a recognised specialist journal for absolutely none of those subjects.

Still: a report on and interview with Manon Garcia. Philosopher Prof. Dr Manon Garcia. By an author named Desireè Oostland. It’s about…

How on earth can we live with men? Can we even live with men? Should we? Do we really want to?…

I consider myself to be quite interested in the women’s rights movement; after all, my generation has benefited from it to a considerable extent. I am equally convinced that we should not rest on our status quo, but must constantly renegotiate the relationships between people, including those between the sexes. Personally, I feel that women’s equality in this country is a given in theory, but sometimes difficult to put into practice, and has not yet truly taken root in everyone’s minds.

However, I also perceive contemporary feminists as misguided, because it seems to me that they are not demanding equality, but rather preferential treatment for women. That would be an unfortunate reversal of the previous state of affairs, where men clearly dominated.

And now I come across this article… I’ve linked it below; feel free to form your own opinion. In any case, I am now deeply disturbed. A professor, a scholar who offers guidance to young people, who imparts direction and values, who shapes and influences female students, who propagates certain positions in her books, says and writes things like:

The question is not whether we women love men enough to put up with what they do to us. The question is whether men can love us a little – just a little – enough to see us as human beings, as subjects, as persons.

Men’s inability to recognise women as real human beings and equal partners in life – and instead their impulse to destroy the women around them – makes our lives very difficult.

But we are all – men and women alike – to varying degrees part of a social system that makes rape possible. We all adopt values, participate in rituals and endorse behaviours that contribute to ‘normal’ men raping a woman who is unknown to them and apparently unconscious.

Social norms are like paths: for women, the prescribed path is one of dependence; for men, one of independence.

From the very beginning, everything works towards girls taking ‘their place’: that they become lovers and mothers, rather than developing as fully-fledged individuals. (Even I, as an expert in this field, catch myself feeling proud when I’ve cooked a good meal for my family or receive a flattering compliment.)

Telling a woman, ‘Don’t be submissive any more’, is a bit like telling her, ‘Stop being yourself.’

If we abandon the concept of patriarchy, the only option left to us is to explain male violence through individual psychology: monsters, perverts, isolated cases. That is convenient – but wrong.

Source: https://www.vogue.de/artikel/manon-garcia-ueber-maennliche-gewalt-beziehungen-interview?utm_source=firefox-newtab-de-de

I could go on, but I won’t. The professor’s latest book, which is being promoted through this article, deals, amongst other things—though not exclusively—with the criminal investigations and legal proceedings surrounding Epstein in America and Mazan in France. It is disastrous to apply their patterns of thought and behaviour to all men. It is devastating to urge (young) women to rethink and question their relationship with men. It is inappropriate to do so whilst exploiting her professional reputation and position.

When I said the article had disturbed me, I was lying. It outraged me. My children’s generation is the target audience for such lectures and publications. However, as a woman, this approach does not convey a respectful and open view of one’s counterpart, but rather one thing above all else: contempt.

Whilst reading, it struck me that I’ve often come across similar tendencies before, but didn’t take them too seriously. There are always eccentric views… I may have been wrong about that. Should a trend and a new social direction develop here, I’m done with all this social stuff for good: I thought we humans would eventually wise up?!

PS: @panafricana-sam arrived in Melbourne last week! Happy and rightly proud of his achievement, he couldn’t find a suitable photogenic spot for the finale of his tour and decided on the spot to carry on to Sydney – the Sydney Opera House was the only place that would do for the occasion ;-)) A good 1,000 kilometres further on, that was achieved too: I am (in a detached kind ;-)) envious of Sam’s stamina, his experiences and his sporting achievement. However, I am far more concerned about the deep slump that is now almost inevitably set to follow…

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Grouping Epstein and Mazan with everyday men is a stretch that undermines the actual argument itself. I think that you can push for equality without framing half the population as the problem

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 3 hours ago 

Was wir brauchen, ist eine klare, strukturelle Analyse, die niemanden aus der Verantwortung entlässt – ohne zugleich jeden einzelnen Mann pauschal zu verurteilen. Feminismus ist kein Krieg gegen Männer. Er ist eine Forderung nach gegenseitiger Anerkennung und Verantwortlichkeit.

Ist nicht das die zugrunde liegende Haltung von M. Garcia?

Mir scheint, M.Garcia hatte sich bezüglich des Pelicot-Prozesses Hannah Arendt und den Fall Eichmann zum Vorbild genommen. So wie H. Arendt entsetzt und erschrocken war über die Normalität Eichmanns (des Planers der Transporte von Millionen Juden in Konzentrationslager mit dem Ziel, diese Menschen dort zu vernichten), so versucht M.Garcia die Normalität der Gewalttäter in den Vordergrund zu stellen.

Aber während Hannah Arendt eine Hypothese hatte, wie es dazu kommen konnte, dass sich "Die Banalität des Bösen" entfaltet (nämlich infolge von Gehorsamsstrukturen und Karrierebemühungen innerhalb einer bürokratischen "Herrschaft des Niemand"), fehlt mir bisher bei Manon Garcia eine vergleichbare Struktur-Analyse. Der abstrakte Verweis auf ein "Patriarchat" ist noch viel zu wenig, weil viel zu abstrakt.

Dennoch hat M.Garcia möglicherweise recht damit, auf gesellschaftliche Strukturen zu verweisen (sei es in Ergänzung oder in Konkurrenz zu individualpsychologischen Erklärungsansätzen), auf die Erfordernis der soziologischen und sozialpsychologischen Analyse einer durch fortgesetzten hedonistischen Konsumismus ethisch offenbar durch und durch korrumpierten Gesellschaft.

Wir kennen die "Scheren" zwischen arm und reich und auch bezüglich gebildet versus ungebildet, welche sich trotz steigenden allgemeinen (durchschnittlichen) Wohlstands bzw. Bildungsniveaus weiter öffnen: Die Reichen werden schneller noch reicher als sich die Armen dem Wohlstand nähern, und die Gebildeten bauen (oder bauten bisher, im Zeitalter vor der KI) ihren Vorsprung vor den Ungebildeten weiter aus trotz deren insgesamt erhöhten Niveaus an formaler Bildung.

So könnte es auch eine "Schere" geben, die bei generell steigender Sensibilität und 'Weisheit' sich weiter öffnet oder vielleicht sogar gesellschaftliche Teil abkoppelt und 'zurück' gleiten lässt.

Wissen wir denn, wie es in früheren Zeiten war? Die Forderungen nach Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft lassen sich etwa zweieinhalb Jahrtausende zurück verfolgen. Sie haben also über zweitausend Jahre lang kaum etwas Erkennbares bewirkt. Es gab immer Ausnahmen, also einflussreiche, selbstbewusste, auch mächtige Frauen. Es gab eine höfische Frauenverehrung (Minne im Mittelalter). Nichts davon hat eine kontinuierliche Veränderungswirkung initiiert.

(Ich lese jetzt mal den Artikel in der Vogue zu Ende.)

 3 hours ago 

In meinem Buch “Wir werden nicht als Unterworfene geboren” habe ich, ausgehend von Simone de Beauvoirs Philosophie, gezeigt, dass weibliche Unterwerfung keine freie Entscheidung ist – jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem die Wahl zwischen Tee und Kaffee frei ist. Sie ist eher vergleichbar mit dem Folgen eines markierten Wanderwegs in den Bergen. Soziale Normen sind wie Wege: Für Frauen ist der vorgezeichnete Pfad der der Abhängigkeit, für Männer der der Unabhängigkeit. Man kann den Weg jederzeit verlassen, aber es ist riskanter, anstrengender, und man kann sich leichter verirren.

Hier deutet M.Garcia meiner Meinung nach in die (oder in eine) richtige Richtung: soziale Normen sind IMMER ein Problem, und von ihnen abzuweichen immer anstrengend und riskant. Das war noch nie anders, behaupte ich, und das liegt vermutlich daran, dass soziale Normen von der 'Weisheit' abgekoppelte Leitsprüche und Leitlinien darstellen, die nach ihrer Etablierung stetig mehr verkrusten und ihren ursprüngliche Sinn entleeren. ("Normopathie" heißt eins der Stichwörter hier, und es wäre vielleicht denkbar, dass es daraus 'männliche' Ausbruchsversuche gibt, befeuert durch sexuelle Verklemmung und unkontrollierte Fantasien, die zunehmend Möglichkeiten bekommen, sich auszuagieren. Man könnte hier die Rolle von Pornographie und von Drogenkonsum einschließlich Alkohols zum Thema machen.)

 3 hours ago 

Ich fordere Männer nicht auf, in ein feministisches Umerziehungslager zu gehen. Ich fordere sie auf, sich von einer Form von Männlichkeit betroffen zu fühlen, die uns alle prägt.
[...]

Es geht darum, nicht länger stolz zu sein auf mangelnde Selbstreflexion, auf das vermeintliche Recht, Fehler zu machen und Gewalt auszuüben, sondern zu verstehen, dass diese Form von Männlichkeit – und der Stolz, der sie strukturiert – untrennbar mit Vergewaltigung und mit einer sozialen Ordnung verbunden ist, die niemand fortbestehen lassen sollte.

Da würde ich M.Garcia zustimmen, soweit ich sie verstehe. Aber im voran gehenden Teil des Interviews offenbart sie ein (meiner Meinung nach merkwürdiges) Frauenbild, dessen empirische Grundlage ich gern einmal sehen möchte. Speziell ihre kleine "Selbstanalyse" halte ich für fragwürdig. Sie hat anscheinend etwas internalisiert, gegen das sie sich wehrt - und überträgt dies möglicherweise auf alle Frauen. (Vielleicht kommt es in ihrem Buch deutlicher und mit besseren Argumenten rüber, was sie meint.)

 3 hours ago 

In Deutschland wurde Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 strafbar! Können Sie sich das vorstellen? Bis vor 20 [sic!] Jahren hatte jeder Ehemann das Recht, seine Frau zu vergewaltigen.

Das ist eine besonders schwache Stelle in den Einlassungen von M. Garcia. Das dürfte ihr eigentlich nicht passieren, finde ich.
Denn auch sie wird wissen: Ob etwas strafbar ist, ist eine juristische Angelegenheit. Ob etwas erlaubt ist, bleibt folglich eine ethisch-moralische Angelegenheit. Ich bin nicht in einem Deutschland aufgewachsen (sozialisiert worden), in dem Vergewaltigung als erlaubt galt, wenn sie im häuslichen / ehelichen Kontext geschah.
Das Problem war umgekehrt: Es fehlte eine juristische Strafbarkeit, und diese wurde 1997 endlich geschaffen. Weshalb nicht früher? Dazu müsste man sich die einschlägigen Diskussionen und Diskurse anschauen.
(Übrigens ist das 30 Jahre her, nicht "20".)

 3 hours ago 

Entschuldige, dass ich weiter sabbele.

Dominique Pelicot nennt Gisèle nie beim Namen: Sie ist "seine Heilige", "seine Liebe"; in seiner obszönen Korrespondenz ist sie "seine Schlampe". Keine wirkliche Frau irgendwo, nur ein Meer aus Verallgemeinerungen.

Da sage mir einer, der Typ sei "normal"...
Es könnte sein, dass ein solches Muster häufig vorkommt, aber entspricht es deshalb einem belastbaren Begriff von Normalität?

Das zeigt sich in unzähligen alltäglichen Situationen: Männer, die selten wirklich mit Frauen sprechen; die Gefangene einer sozial konstruierten Unfähigkeit bleiben, ihre eigenen Emotionen zu analysieren und sich in andere hineinzuversetzen. Natürlich gibt es Männer, die reale Frauen lieben – und keine Projektionen. Doch Geschlechternormen, verstärkt durch soziale Medien und Mainstream-Pornografie, behindern weiterhin den Dialog zwischen den Geschlechtern, zu dem ich in “Das Gespräch der Geschlechter” aufgerufen habe.

"Gefangene einer sozial konstruierten Unfähigkeit bleiben" - das halte ich für sehr gut denkbar. Und welche Rolle spielen die Mütter dabei? Ich will nicht ablenken von der Rolle der Väter, sondern darauf hinweisen, dass das gemeinsam betrachtet werden muss. Wenn es eine Perpetuierung solcher sozial konstruierten (Un-)Fähigkeiten gibt, die über zahlreiche Generationen und Jahrhunderte hinweg wirkt und sich in die psychischen Strukturen quasi eingraviert hat, dann genügt es wohl kaum, darüber aufklärerisch zu räsonieren.

Vielleicht steht in M.Garcias gerade von ihr erwähntem Buch mehr darüber. (Wer wird das Buch lesen? Wer wird versuchen, den vorgeschlagenen Dialog zu realisieren? Wann wird welche Saat aufgehen?)

"Du musst dein Leben ändern" (Rilke) könnte der Imperativ des Jahrhunderts sein. Den jede/r an sich selbst zu richten hätte.

It's nice to hear the good news.

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