Gestern habe ich es mal wieder mitbekommen ....
, wie nah doch Freude, Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Überfluss und bittere Armut, Sicherheit und Existenzangst beieinanderliegen.
Sohnemann hatte ja Geburtstag und uns in ein Restaurant zum Essen eingeladen. Sein Kumpel war auch mit dabei, und wie üblich unterhält man sich da ein wenig. Er erzählte dann, dass bei ihm im Haus direkt in der Nachbarschaft ein älteres Paar wohnt, beide um die 80. Er schaut dort regelmäßig nach dem Rechten, geht auch mal einkaufen und kümmert sich ein wenig.
Und dann sagte er einen Satz, der mir echt hängen geblieben ist: Die beiden haben ihr ganzes Leben gearbeitet und kommen heute gerade so mit dem Geld hin. Da ist es schon etwas Besonderes, wenn man sich mal ein Stück Butter leisten kann.
Ein Stück Butter.
Im Jahr 2026.
In Deutschland. 🧈
Ich habe ihm dann erzählt, dass ich mehrmals im Jahr kostenlose Lebensmittelpakete verschicke – entweder finanziert durch Partner oder auch aus eigener Tasche. Und habe gesagt: Klar, ich finde hier noch das eine oder andere und gehe am Montag einkaufen und stelle für das Paar ein Paket zusammen. Mit ein paar Sachen, die auch für diese Altersgruppe passen – und mal wirklich „etwas Besonderes“ sind.
Ich weiß ja von vielen, die mich wegen solcher Pakete angeschrieben haben: Man kann sich kaum vorstellen, dass es so etwas heute noch gibt, dass man selbst für Lebensmittel den Euro mehrmals umdrehen muss.
Na ja, lange Rede, kurzer Sinn …
Ich kann selbst auch nicht mehr so, wie ich möchte, weil mir einige Einnahmen weggebrochen sind, seit ich letztes Jahr meine Schmuckmanufaktur schließen musste. Ja, das merkt man ziemlich deutlich in der Brieftasche. 💸
Aber egal – ich habe es schon mehrmals geschrieben: Ich komme gut zurecht. Und ich habe ganz sicher keinen Grund zu jammern, auch wenn es sich manchmal so anhört.
Jetzt könnte man sagen: „Die können doch zur Tafel gehen“ oder „Unterstützung beantragen“ oder „Wohngeld, Aufstockung, was weiß ich.“
Ja. Könnten sie.
Aber viele machen das aus Scham nicht.
Und auch hier kenne ich einige, denen eigentlich Wohngeld oder Ähnliches zustehen würde – sie beantragen es einfach nicht. Man kann noch so sehr reden: Manche Menschen haben einfach dieses Gefühl, versagt zu haben, wenn sie finanziell nicht mehr klarkommen. Komplett falsche Einstellung in meinen Augen, aber so ist es eben.
Was man tun kann: helfen.
Reden.
Begleiten.
Und deshalb hier mein Aufruf an euch alle da draußen:
Schaut mal in eurer Nachbarschaft, ob ihr auch so jemanden kennt. Hängt einfach mal anonym eine Tüte mit ein paar schönen Sachen an die Tür. 🛍️ Derjenige muss ja nicht mal wissen, woher es kommt. Sonst fühlt es sich schnell wie Almosen an – und niemand will sich so fühlen.
Und wenn ihr jemanden näher kennt und wisst, dass ihm eigentlich Unterstützung zusteht:
Geht mit zu den Behörden.
Erledigt den Schreibkram.
Macht einen Termin bei einem Sozialverband wie dem VdK oder ähnlichen Stellen. Dort wird einem geholfen. Ja, das kostet ein paar Euro im Jahr – aber wenn die Leute das wirklich nicht haben, dann legt halt zusammen und übernehmt die Gebühr für ein Jahr. 🤝
Ich finde diese Ich-Bezogenheit unserer Gesellschaft einfach schrecklich. Und ja, die ist politisch durchaus gewollt: Brot und Spiele. Wenn das Dschungelcamp eine der beliebtesten Sendungen im deutschen Fernsehen ist … na ja, das sagt eigentlich schon alles. 📺
Ich kann es nur gebetsmühlenartig wiederholen:
Geht wieder etwas sozialer miteinander um.
Heute könnt ihr vielleicht helfen.
Und eines Tages seid ihr vielleicht selbst darauf angewiesen.
Und mal ehrlich:
Will wirklich irgendjemand von uns in einer kalten, egoistischen Gesellschaft leben?
Du?
Oder du?
Oder gar du da hinten?
Ich denke doch nicht. ❤️
Am Ende bleibt für mich nur eine simple Erkenntnis: Menschlichkeit kostet fast nichts – aber sie ist für manche Menschen gerade alles.
