Jeder Ossi kennt sie noch:
... die Mitropa. Wirklich auf dem kleinsten Bahnhof gab es sie. Hier in Gotha zum Beispiel auf der sogenannten „Insel“, einem Zwischengleis. Dort eine kleine Mitropa, und direkt am Bahnhofseingang dann eine richtig große, schon vergleichbar mit einem richtigen Lokal.
Früher war es ganz normal: Wenn man von A nach B gereist ist, hatte man kein Problem, irgendwo eine Kleinigkeit zu essen oder zu trinken. Manchmal dauerte es, bis der Zug kam, und man hing auch mal ein oder zwei Stunden am Bahnhof fest. Kein Drama. Und heute? Heute kannst du fast einen kleinen Kredit aufnehmen, wenn du mit der Familie und drei Kindern irgendwo am Bahnhof strandest. Wenn du dir nichts selbst mitgebracht hast, gute Nacht. Ein belegtes Brötchen 4,50 €, eine kleine Brause zwei bis drei Euro – da sind schnell mal 30 oder 40 € weg, nur um eine Kleinigkeit zu essen.
Und jetzt kommt es natürlich wieder: „Ihr habt doch in der DDR nichts verdient, das muss sich ja auch im Preis widerspiegeln.“ Nein, ganz sicher nicht so einfach. Die Preise wurden damals völlig anders kalkuliert, ja, sie waren staatlich vorgegeben. Aber genau deshalb war Essen unterwegs für alle bezahlbar. Und entgegen aller Legenden gab es sehr wohl Interesse, Lokale zu betreiben. Im Gegenteil: Im kleinsten Dorf mit 500 Einwohnern gab es drei oder vier Gaststätten. Hier in Finsterbergen, wo ich wohne, gab es früher – wenn ich mich recht erinnere – acht. Und zu DDR-Zeiten waren diese Gaststätten voll und gut besucht.
Und heute ist davon genau eine einzige übrig geblieben. Und selbst die hat es nicht leicht. Essen gehen ist für viele fast nicht mehr drin. Wir waren vor drei Tagen essen, weil unser Sohn Geburtstag hatte und uns eingeladen hat. Vier Personen, rund 150 €. In einem Restaurant, das vor Jahren deutlich besser war. Ein klassisches deutsches Brauhaus. Die Küche ist weiterhin deutsch, es gibt also keine vietnamesische Küche dort. Aber Service und Küche werden – mit wenigen Ausnahmen – von vietnamesischen Mitarbeitern betrieben. Und versteht mich bitte nicht falsch: Das ist kein Angriff gegen Vietnamesen. Man sieht sie überall, in Bäckereien, Restaurants, Läden. Auch in der Pflege immer häufiger. Bei der Mutti meiner Freundin arbeiten ebenfalls Vietnamesen, und die alte Dame mag sie sehr, weil sie wirklich nett und freundlich sind.
Aber es bleibt ein Unding: Auf der einen Seite über fünf Millionen Bürgergeld- und Sozialhilfeempfänger, und ja, der eine oder andere könnte sicherlich arbeiten. Auf der anderen Seite holt man Menschen aus der ganzen Welt, damit hier überhaupt noch gearbeitet wird. Vielleicht sollte Arbeit wieder etwas attraktiver werden. Und da muss man bei den Arbeitgebern anfangen. Wenn fast 50 % an Steuern und Abgaben weggehen, verschwindet der Mittelstand langsam. Aber okay, Hauptsache man deklariert mal eben 1.000 Milliarden als Sondervermögen und nimmt Kredite auf, die noch Generationen abbezahlen dürfen. Für mich völlig unverständlich. Klar, bei Social Media wird sich aufgeregt und an manchen Stammtischen auch – aber am Ende wird es doch wieder hingenommen. Und mal ehrlich: So richtig interessiert es doch kaum noch jemanden. Genauso wie die Politik. Man lässt sie einfach machen. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema … wo waren wir noch mal? Bei der Mitropa. 🙂
Aber Fakt ist auch: Die Qualität hat sich verändert. Nicht, weil es keine deutsche Küche mehr gibt, sondern weil sie nicht mehr so zubereitet und gelebt wird wie früher. Auf Wünsche wird kaum noch eingegangen. Ich wollte Bratkartoffeln statt Kartoffelspalten – eindeutig Convenience-Ware. Gab es nicht. Aber fast 30 € für ein Gericht nehmen. Sorry. Ich höre jetzt auf, es bringt sowieso nichts. Fakt ist: Ich gehe dann halt nicht mehr essen und brate eben selbst.

Ja voll schade dass man nicht mehr essen gehen kann...Also in Süddeutschland sind noch keine Vietnamesen, zumindest nicht auffallend. Vereinzelt Asiaten in der Pflege aber nicht auffallenend viel. Interessant die Unterschiede.. Warum sich unter der Linie die Speisekarte der Metropolis wiederholt weiß wahrscheinlich niemand 😄.
Lg
Herzlichen Glückwunsch nachträglich an den Sohnemann.
Und nicht ärgern - bringt eh nichts.
Gab es auch was positives?