Napoleons letzte Schlacht
Hallo mein kleiner Nappo, da bist du ja! Mein allerstes eigenes Bocklämmchen - wunderschön.
Bist du eventuell auch das Wolkenschaf, das sich soeben am strahlend blauen Frühlingshimmel gezeigt hat?
Ich hadere noch immer etwas mit meiner Entscheidung. Doch Entscheidungen müssen getroffen werden und so habe ich vor einer Woche entschieden, dass du kein drittes Mal durch diesen langwierigen, ekligen, teilweise sehr schmerzhaften Prozess unbekannter Ursache durch musst.
Tut mir leid, mein Schatz, aber es ist besser so, obwohl es dir zuletzt (noch) nicht richtig schlecht ging. Wir und zumindest auch dein bester Freund, der kleine Muck, vermissen dich sehr!

🖤 Nappo 🖤 14. März 2024 - 27. Februar 2026

Der Fall Conehead
Zunächst fing alles bereits im Juli letzen Jahres ganz harmlos und etwas "lustig" an: "Na, min Jung, haste dich geknolzt?" - Eine Beule prangte mitten auf deiner Stirn. Sie wuchs beachtlich schnell, war steinhart und ich konnte sie anfassen und drücken, ohne, dass es dir wehtat. Schon nach vier Tagen hieß es, "Wie sieht denn das Schaf aus? Wie March Simpson, wie ein Conehead!" Die "Beule" war recht symmetrisch gewachsen und nahm deinen gesamten Vorschädel ein. Und noch immer durfte man sie berühren, sogar grob betasten. Es schlich sich dein Spitzname Coney ein (dieser steht sogar noch auf der ersten Vet-Rechnung), jedoch nur solange es noch "lustig" war und aussah.
Langsam begann die "Beule", die nunmehr einer Verwachsung glich, dich zu nerven. Wenn die anderen Böcke grasten, bliebst du zurück und schubbertest den Kopf am Gatter. Als dann vorne fester, grisseliger Eiter austrat, rief ich den Tierarzt. Was für eine grausame Prozedur! Fast zwei Stunden wurde an dir herumgequetscht und diese "Beule" - ein ausgewachsener, riesiger Abszess - immer wieder gespült. Zwei Beruhigungsspritzen waren wirkungslos, du warst viel zu aufgeregt. Tapfer hast du die Behandlung ertragen. Auch in den nächsten Tagen, als ich dir Antibiotikumspritzen geben und die Wunde immer wieder öffnen musste, damit auch der letzte Rest Eiter abfließen und die Stelle langsam von innen heraus heilen konnte, bist du stets freiwillig und tapfer in den kleinen Behandlungspferch geschritten. Als wenn du wusstest, dass dir geholfen wird.
Alles heilte gut ab und durch furchtbar nach Chemie stinkende Mittel konnten wir sogar die Fliegen daran hindern, ihre Eier in deiner Wunde abzulegen. Leider mochten auch deine Herdengenossen dich zu der Zeit nicht mehr riechen. Du wurdest zum Einzelgänger (nur der Muck legte sich ab und an zu dir), aber erstmal war deine vollständige Genesung wichtiger.
Drei Wochen später dann die Ernüchterung: an deinem Hals entstand ein neuer, rasant wachsender Abszess. In Absprache mit dem Tierarzt sollte dieser sich erstmal prall füllen (ging ziemlich schnell...), bis er sich an der tiefstliegenden "Sollbruchstelle" von alleine öffnet. Das war wirklich nicht gut anzusehen, zumal du auch mit jedem Tag schwächer und unglücklicher wurdest.
Ich sprach mit meiner eigenen Hausärztin über dich, welche mir homöopathische Globuli für dich gab: Hepar Sulfuris (bekannt als "Öffne den Abszess") und Silicea (zur inneren Reinigung, zum "Ausspülen" der infektiösen Erreger). So süß, wie du dir die Kügelchen jeden Morgen pünktlich abholtest, gar einfordertest! Nach drei Behandlungstagen mit Hepar hätte ich nie gedacht, dass ich mich jemals über so etwas Ekliges freuen könnte: das Ding war geplatzt!
Aber trotz Silicea - und dann doch nochmal (angeblich genau auf den Erreger angepasstes) Antibiotikum - hörte dieser Abszess nie wirklich auf, zu suppen. Dein ganzes Fell war und wurde immer wieder neu vom Eiter besudelt, du stankst trotz regelmäßiger Wäsche und Rasur den ganzen Herbst lang nach Krankheit und Verwesung. Erst in diesem harten Winter war Ruhe. Das "Loch" war sehr tief abgeheilt, es traten keine Sekrete mehr heraus. Ich hatte schon Befürchtungen, dass es einfach nur eingefroren war, doch dir ging es wirklich gut, also... Sieg!
Die Kälte zog sich nach diesem langen, harten, fast polaren Winter Ende Februar zurück und du tatest ihr gleich.
Ich ertastete an deiner Brust eine etwa tischtennisballgroße Beule. Schon diese machte verzweifelt traurig. Nur fünf Tage später hatte der neue Abszess - ungelogen - die Größe eines Handballs. Wie sehr muss es einen Körper schwächen, in so kurzer Zeit so viel Eiter zu produzieren?!
Ich erörterte mit der Tierärztin noch Möglichkeiten, wobei sie selbst an einem Erfolg zweifelte, weil das Ding nun eben schon zum dritten Mal erschien. Und eigentlich stand die irreversible Entscheidung fest.
Sehr lieb geknuddelt, völlig angstfrei, noch mit einem heißbegehrten Apfelstück im Muffel, brachst du nach der euthanasierenden Spritze in meinem Arm zusammen.

Nappo der Weidenrocker
Wie gesagt gehörtest du zum allerersten Wurf. Ob du wirklich das erste eigene Lamm warst, weiß ich gar nicht genau, denn Mama Freckles hat deinen Bruder Knut (nach der Blauzungenkrankheit schon lange ein Wolkenschaf), deine Schwester Mascha (das allerschönste Jungschaf auf der Auenweide) und dich ganz alleine zur Welt gebracht. Ich entdeckte euch erst etwa 15 Minuten später. Ihr drei wart eine ganze Woche älter als deine nachfolgenden Cousins und Cousinen. Sieben Tage machen eine Menge aus, und so habt ihr gemeinsam die ganze Babyrasselbande ganz schön aufgemischt.
Du wurdest zum selbstbewusstesten Böckchen der Herde und hast den Lütten viel Quatsch beigebracht. Weiter ließt du dir von niemandem, außer deiner noch einen Tick entschlosseneren Schwester, die Butter vom Brot nehmen. Schon damals schubstest du deine Kameraden vom Napf weg, um - als du satt warst - zu bestimmen, dass nun getobt statt gefressen wird. Jo, der Lämmertrog blieb halb gefüllt, die Kleenen gehorchten. Ihr hattet viel Spaß beim Finden von Schlupflöchern, beim Turnen auf den (an sich doch eingezäunten...) Heuballen und nicht zuletzt beim Rammen.
Du warst ein sehr zutrauliches, kuschelbedürftiges Schaf. Um deine Streicheleinheiten zu erhalten, hast du dir aber schon als Lamm - und bis zuletzt - deinen Weg freigeräumt. Du warst nie aggressiv, bist nie einfach so nach vorne gegangen, aber wenn dir etwas nicht passte, hast du die Verhältnisse auf der Weide schon gern in einer Klopperei geklärt. Hm, jetzt kann man es ja sagen... Obwohl der oberste Schafrichter dich damals freisprach, denn es war ein Unfall: Sei lieb zum Wolkenschaf Lolleck - es ist doch noch so klein!
Ich hatte dich trotzdem richtig, richtig lieb. Die ersten beiden Tage auf dem Weg zur Weide ohne Nappo waren nicht nur traurig, sondern auch sehr ungewöhnlich: Niemand hat uns blökend begrüßt. Das akustische Signal war deine Aufgabe, erst dann setzte sich die kleine Bockherde Richtung Futterpferch in Bewegung. Komisch, dass einem sowas erst auffällt, wenn es fehlt.
Den Part hat jetzt Frank übernommen, wobei er (wie du) weit davon entfernt ist, Leitbock zu sein. Leitbock ist Manni. Und mit dem hast auch du dich lieber nicht angelegt. Manfred (du hattest als erwachsener, stattlicher Bock schließlich auch keine Lust mehr auf die kindlichen Kosenamen: Balbi ist Balboa, Manni ist Manfred und Nappo ist Napoleon. Männer - Punkt...) war so auch der erste, der sich von deinen sterblichen Überresten verabschiedet hat. Und er hat gesagt, das ginge in Ordnung, dem Napoleon gehe es nun besser. Danke!
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So long, mein kleiner, tapferer, großer FeldWeidenherr Napoleon, wolke in Frieden!
Dein Leben war kurz, aber sehr schön. Danke für alles, danke für dich - es ist so wundervoll, dass es dich gab!


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Liebe Chriddi,
danke, dass du uns so liebe-voll an diesem Abschied teilhaben lässt. In Gedanken habe ich Napoleon am blauen Himmel wolken gesehen und ihm ein Lächeln geschickt.
Fühl dich umarmt,
Natalie
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Danke. Ein lächelndes Wolkenschaf samt geschenktem Lächeln ist doch ein versöhnlicher Gedanke... :-)
Du kennst die Geschichte von den Wolkenschafen? Kleiner Onkel hat sie hier einst den Lämmern erzählt...
Schönes Wochenende, biba,
Chriddi
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RIP lieber nappo
du wurdest geliebt gehegt und umsorgt
chriddy,fühl dich ganz lieb umärmelt
es tut mir leid das zu lesen
alles liebe sende ich
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Danke. Das Wolkenschaf freut sich lächelnd über deine Anteilnahme. Ich auch... :-)
Drück dich,
Chriddi
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I'm sorry for the loss. He was a cutie.
I've never raised livestock, but I have lost enough pet cats and dogs over the years to know how hard it can be. It's been my experience that it doesn't get any easier, no matter how many times you go through it. Hopefully, in some time you'll be left with the good memories of Napoleon and the painful part subsides.
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Thank you for your sympathy.
Yes, you would think that saying goodbye to livestock is different than saying goodbye to dogs and cats because they don't sit on the sofa. But a herd like this consists of lots of totally different individuals, each with their own unique characteristics. And when you love, you love... :-))
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... wenn wir uns Tiere anschaffen, wissen wir, daß wir sie in der Regel überleben werden. Und dann - es ist jedes Mal so traurig! Für Napoleon war es ein kurzes, aber super schönes Leben. Seine Kumpels sind weiterhin am besten Ort der Welt. Er wird fehlen, aber Deine Herde tummelt sich weiter munter auf der Wiese... Gut, daß es nichts Ansteckendes war.
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Danke dir, schöne Worte... :-))
Jepp, das (Herden)leben geht ganz normal weiter. Der Abschied vollzog sich recht schnell. Beschnüffelt haben das tote Kerlchen aber alle. Der Muck blieb am längsten stehen. Schon interessant...
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It was a very sad story. Losses only happen to those who love someone. However, there are other sheep waiting for your care. You have to be strong and continue what you do so well. Well, and sometimes tell us about this.
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In fact, there are 24 more balls of wool, each of which I love very much. Even the 'brutal' ones in the ram herd... 😂
Perhaps I should really get back into the habit of sharing a bit more about my life in the countryside as a shepherdess. You don't always have to ‘wait’ for spectacular or dramatic events. No, it's not quite that bad. The weather is simply too nice to be stuck at the computer... 😉
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Wow! In my opinion, this is a big farm. I can't imagine how you can manage it without hired workers. I understand that the hay is harvested by machinery, you probably buy the feed, not grow it, but feeding 25 hungry mouths every day and cleaning up after them is a challenge. Even if there are two of you.
You're right, the weather isn't conducive to sitting at the computer right now. We want to spend more time outside. But sometimes there are cloudy and rainy days. They're perfect for writing a post "What's Happened to Me in a Month." 😄
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Yes, especially in winter a herd of this size was quite a challenge (to be honest, it’s actually two herds at two locations: the ewes and the rams are kept separately). Now the work is becoming less because the animals are slowly starting to graze.
This “hobby” is also gradually becoming a question of cost. We harvested half of the pasture ourselves. Of course we still had to pay the helping farmers and their machines. We harvested four bales. But I had to buy a lot of additional hay, because the sheep have eaten 30 bales so far… 🫣
But you know what? The animals’ affection and the calming atmosphere when spending time with them make up for everything! Even if this year there won’t be any lambs I could be telling you about in a month… 😉
Dear @chriddi this story really touched my heart.😢It is so sad to lose such a special and brave ram.
You did everything you could for him, and choosing to let him go was the greatest act of love to end his pain. No more sickness, no more medicine just peace for little Nappo now.
He will always be your first and most special ram. Rest in peace, brave Nappo
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Thank you for translating and reading this obituary for one of the approximately 30 best sheep in the world. Even more thanks for your empathetic comment. Reading your kind words and reflecting on the events in fast motion at the same time gives me goosebumps.
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I can truly feel your emotions through your words. It is never easy to lose a loyal companion who was like family, but Nappo was lucky to have such a caring owner who stayed by his side until the very end.
Please take care of yourself, and I hope these precious memories eventually bring more smiles than tears. Wishing you peace and strength. ❤️😊
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Sad to hear about another sheep down. Often sad when we lost our livestock after many months of care, feeding and securing.
Hopefully, the remaining ones doesn't face this suckness.
Sorry for the loss.
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Yes, it's sad every time. Especially when you keep sheep as uneconomically as I do: not as livestock, but as pets – with a lot of love for each individual animal.
But life goes on. For the flock, anyway. Fortunately, this ‘disease’ of unknown cause was not contagious. No other ram suffers from these abscesses.
Thats true!
Thats the good part. Sadly, the poor sheep was just so unfortunate.
More beautiful sheeps coming in the future
Eine lange Geschichte. Beim Lesen musste ich an alle Tiere denken, die ich in meinem Leben gepflegt habe. Einige wurden bei mir geboren, viele wurden von anderen abgegeben. Die meisten abgegebenen (ausgesetzten) Tiere hatten Probleme (Verhaltensauffälligkeiten oder gesundheitliche Probleme). Es hat mich immer erstaunt, wie Abszesse und Tumore von einem Tag auf den anderen so groß wie ein Tennisball werden können. Warum sie nicht heilen, ist unklar. Du hast jedenfalls alles dafür getan, und es ist klar, dass er ein gutes Leben hatte.
Es tut mir leid, dass es so kommen musste, und ich hoffe, dass er es als Wolkenschaf toll hat. Ich fand die Hommage an Napoleon sehr bewegend zu lesen.
🍀❤️
@wakeupkitty
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Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, @wakeupkitty.
Ich denke, man muss es schon von Herzen wollen, sich um (viele) Tiere, besonders auch "Problemfälle" zu kümmern. Man steckt ja doch viel Kraft und Sorge hinein, nimmt und fühlt ganz viel mit. Gleichzeitig gibt jedes Tier ein Vielfaches zurück. Ich kann mir ein Leben ohne Fürsorge für vierbeinige Lebensgefährten nicht vorstellen!
Klar ist es super als Wolkenschaf! Man betrachtet die Welt von oben und lächelt über die Geschehnisse. Außerdem hat Nappo eine Menge Kumpels: 2024 habe ich durch die Blauzungenkrankheit neun Tiere verloren (alle qualvoll verendet). Die meisten davon waren Lämmer aus Napoleons Jahrgang.
Deine Rückmeldung geht runter wie Öl: wenn ein Text bewegt, bewirkt er etwas. Und meist ist er dann ja auch ganz gut... 😉
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Dein Text geht mir unglaublich nahe und ich musste dabei an unsere zwei Wegbegleiter denken, an all die Freude, den Spaß, aber auch an die Angst, wenn etwas nicht stimmte. Und an diesen tiefen Schmerz, wenn der Moment kommt, in dem man Abschied nehmen muss.
Man sagt immer so leicht, dass es irgendwann zu Ende geht. Doch wenn es so weit ist, ist es unendlich schwer, die richtige Entscheidung zum Wohl des Tieres zu treffen. Bei uns war es die Dackellähme, bei Susi ein Mischlingshund. Ein Teil in uns wollte sie nicht gehen lassen, der andere konnte es nicht ertragen, sie leiden zu sehen.
Es tut mir sehr leid, das zu lesen. Es bringt so viele Erinnerungen zurück, die mich bis heute weinen lassen.